Der Naturgarten
Auf dieser Seite möchten wir konkrete Tipps und Anregungen präsentieren, was Sie als Gartenbesitzer genau tun können, um die Natur zu fördern. Auf dieser Seite finden Sie einige allgemeine Informationen rund um den Naturschutz im eigenen Garten. Gerne werden wir auch in den nächsten Tagen Abbildungen hinzufügen, damit Sie sich ein besseres Bild von einem solchen naturnahen Garten machen können.
Elemente im Naturgarten
Die Naturwiese: Eine Naturwiese besteht aus einer grossen Vielfalt von verschiedensten Blumen, deren Blüten eine grosse Anzahl diverser Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen und andere Insekten anlockt. Diese wiederum locken grössere Tiere, auch Vögel und Säugetiere in den Garten. Die wichtigste Voraussetzung für die Naturwiese ist der richtige Boden. Die meisten unserer heimischen Wildblumen sind auf Magerwiesen angewiesen. Diese müssen Sie im Garten anlegen, wenn Sie auf heimische Wildblumen setzen wollen. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist eine ziemlich sonnige Lage, welche die meisten Wildblumen benötigen. Sie können eine beliebige Wildblumenmischung mit ausschliesslich einheimischen, standortgerechten Pflanzen bei der Gärtnerei Ihres Vertrauens zusammen mit Magererde erwerben.
Die Wildhecke: Die Wildhecke ist eines der wesentlichsten Elemente im natürlichen Garten, das allerdings bei kleinen Gärten keinen Sinn macht. In der Breite sollte man für diese Hecke insgesamt mit Kraut- und Saumschicht, die nicht gemäht werden darf, ungefähr 5 Meter einbereichnen. Die Länge ist beliebig festlegbar. Grundsätzlich gilt, je grösser der Lebensraum, desto wertvoller. Im Zentrum stehen grössere heimische Wildsträucher, wie sie am natürlichen Waldrand vorkommen. Dazu gehören Weissdorn, Berberitze, Hartriegel, Vogelbeere, Hundsrose, Schneeball, Salweide, Pfaffenhütchen, Holunder und andere Gartenpflanzen. Wichtig ist, dass sie ausschliesslich auf einheimische Sträucher setzen, die am natürlichen Waldrand vorkommen. Auf beiden Seiten der Wildhecke finden sich einige einheimische Stauden und Kräuter, das sogenannte Wildgemüse. Diese Schicht (man nennt sie Kraut- und Saumschicht) sollte vom Menschen unangetastet bleiben.
Die Wildhecke übernimmt die Funktion des natürlichen Waldrands und fördert damit diesen seltener gewordenen, wichtigen und äusserst artenreichen Lebensraum. Viele Säugetiere wie Igel, Mäuse profitieren genauso von einer Wildhecke wie Vögel und die bedrohten Fledermäuse, die sogar auf solche Wildhecken angewiesen sind. Gerade die schüchternen Gartenbesucher finden passende Verstecke oft nur in einer Wildhecke. Das Anlegen einer solchen Wildhecke benötigt aber viel Aufwand und Zeit. Sie können diese deshalb auch anlegen lassen.
Der Gartenteich: Der Gartenteich ist eines der schönsten Elemente, um Ihrem Garten Leben einzuhauchen. Mit einem Gartenteich unterstützen Sie in erster Linie die bei uns massiv bedrohten Amphibien, allen voran die verschiedenen Froscharten. Wichtig ist, im keine Fische im Gartenteich zu halten, diese gehören da nicht hin. Wenn Sie an einem Gartenteich interessiert sind, lassen Sie sich beraten, beachten Sie aber wie weiter unten beschrieben die Grösse Ihres Gartens und den Standort. Sie sollten den Gartenteich professionell anlegen lassen, damit Sie später nicht dauernd Arbeit mit dem Reinigen haben. Geeignete Pflanzen am Uferrand des Teichs filtern Nährstoffe heraus und erledigen so die Arbeit für Sie. Seerosen und andere Wasserpflanzen sehen schön aus, fördern aber gleichzeitig auch wieder den Nährstoffgehalt im Wasser. Wenn Sie den Gartenteich selbst anlegen wollen, lassen Sie sich unbedingt beraten, sodass Sie keine zeitraubenden Fehler machen.
Der unberührte Ecken: Vielleicht das wichtigste im Naturgarten sind vom Menschen unberührte Ecken, wo sich die Natur frei entfalten kann. Hier können wichtige heimische Stauden wie Brennnessel gedeihen, kleine Steinhaufen können angelegt werden, um die bedrohten heimischen Reptilien zu unterstützen oder auch Trockensteinmauern oder Holzhaufen sind sinnvoll. Legen Sie ein Stück Baumrinde auf den Boden und lassen Sie alles Holz liegen, bis es völlig vermodert ist. In Totholz finden unter anderem Wildbienen überlebenswichtige Nistplätze. Während dem ganzen Jahr sollten diese Bereiche vom Menschen unangetastet bleiben.
Planung
Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, Ihrem Garten neues Leben einzuhauchen, lassen Sie sich ausreichend Zeit für die Planung. Vermeiden Sie Schnellschüsse, sondern informieren Sie sich und schätzen Sie genau ab, welche Möglichkeiten Ihnen offen stehen, welche sinnvoll sind und was Ihnen persönlich gefallen würde. Der naturnahe Garten soll eine Bereicherung für Mensch und Natur darstellen und beide gleichmässig erfreuen.
Grösse
Als erstes sollte man die Grösse des eigenen Gartens realistisch einschätzen können. Je grösser Ihr Garten ist, desto mehr Möglichkeiten liegen Ihnen offen, desto mehr ökologisches Potenzial, aber auch Verantwortung liegt in Ihren Händen.
Kleiner Garten (0-100m²): Sogar ohne eigenen Garten können Sie Lebensraum schaffen - auf Ihrem Fenstersims. Im Topf können Sie mit einer Wildblumenmischung ein kleines Paradies für Insekten schaffen, die wiederum Vögel anlocken. In einem kleinen Garten kann man ebenfalls auf einem kleinen Teil eine Naturwiese anlegen oder einheimische Stauden und Wildgemüse anpflanzen.
Mittelgrosser Garten (100m²-400m²): In einem mittelgrossen Garten stehen Ihnen schon wesentlich mehr Möglichkeiten offen. Über eine Wildhecke kann nachgedacht werden, möglicherweise ist auch ein schattenspendender grosser Baum im Sommer sinnvoll und auf eine Naturwiese, zumindest in Teilen des Gartens, sollte nicht verzichtet werden. Auch ein Gartenteich ist möglich und steigert die Qualität und das Wohlbefinden im Garten stark.
Grosser Garten (ab 400m²): Alle der oben genannten Möglichkeiten stehen Ihnen ab dieser Grösse offen. Sie sind in Ihrer Gestaltung absolut frei und können eigene Bereiche in Ihrem Garten schaffen. Eine Wildhecke, die - wenn zwei- bis dreischichtig gepflanzt - auch als Sichtschutz dienen kann, und eine Naturwiese werden absolut empfohlen.
Standort
Je nachdem, ob Sie mitten in einer Stadt wohnen, eher im Agglomerationsbereich oder im Grünen und möglicherweise sogar in Waldrandnähe, machen einige Massnahmen Sinn, andere wiederum schliessen sich aus.
Stadt: In der Stadt ist vor allem die Naturwiese und die Wildhecke sinnvoll. Von einem Teich raten wir ab, die Frösche würden auf dichtbefahrenen Strassen kaum eine Wanderung in Ihren Garten oder davon weg überleben. Vor allem Insekten und Vögel aber können Sie in einem naturnahen Garten in der Stadt willkommen heissen.
Land: Je mehr im Grünen Sie wohnen, desto mehr Möglichkeiten sind sinnvoll. In relativ geringem Abstand zum Wald werden Sie die grösstmögliche Anzahl Tiere in Ihren Garten locken können. Hier ist beispielsweise ein Gartenteich sehr sinnvoll, mit denen Sie Frösche vom Wald in Ihren Garten anlocken können. Ihnen stehen alle Möglichkeiten und Türen offen.
Andere Hinweise
Oft hört man das Argument, dass man auf einer Wildblumenwiese wegen der vielen Bienen und Hummeln keine Kinder mehr barfuss spielen lassen kann. Das kann vor allem im Frühling zutreffend sein. In diesem gegebenen Falle sollte man ein angemessener Teil des Gartens regelmässig mähen und die Naturwiese vom Platz her etwas einschränken. An gemähten Standorten werden Sie weder Hummeln, noch Bienen oder Käfer vorfinden. Entscheidend ist, dass man die naturbelassenen Teile des Gartens dann tatsächlich das ganze Jahr über nicht mäht und sich selber überlässt.
Ein weiterer wichtiger Punkt sind einheimische Pflanzen. Exoten sollten im Naturgarten möglichst vermieden werden, denn für die heimischen Tiere sind sie oft wertlos. Diese haben sich über Jahrhunderte und Jahrtausende an einheimische Pflanzen gewohnt und oft auch auf einzelne Pflanzen spezialisiert. Pflanzen Sie im naturnahen Garten deshalb bitte nur Sträucher und Blumen, wie sie in unserer Region auch in freier Natur zu finden sind (= Wildpflanzen).
Ihr Naturgarten
Wir beraten Sie kostenlos, welche Massnahmen Sie in Ihrem Garten treffen können, um ihn lebendiger und natürlicher zu gestalten. Laden Sie ein Bild oder mehrere Bilder Ihres Gartens auf einem geeigneten Dienst (wie beispielsweise Imageshack.us) hoch und schicken Sie uns den Link mit einer Anfrage zu konkreten, persönlichen Hinweisen zu Ihrem Garten. Wenn Sie einige unserer Tipps und Anregungen tatsächlich umsetzen, werden Sie die Veränderungen spätestens ab dem 2. Jahr deutlich spüren. Wir wünschen Ihnen viel Spass in Ihrem Naturgarten!


