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Gewässer & Auen

Hier folgen zum einen allgemeine Informationen über Auengebiete und deren Wichtigkeit und Geschichte der Auengebiete (mit Staudämmen, Verbauungen, Wasserkraft) und zum andern speziell für die Schweiz, Qualität der verschiedenen grösseren Gewässer und heutige Störfaktoren der Schweizer Gewässer (noch immer sehr viele Gewässerufer verbaut, neues Problem Wasserkraftwerke)

Schweizer Gewässer werden stark genutzt und sind massiv beeinträchtigt. In den letzten 150 Jahren waren es Überschwemmungen, welche dazu führten, dass die Menschen Schutzdämme an den Flussufern bauten. Inzwischen hat die Wissenschaft entdeckt, dass die natürliche oder naturnahe Gestaltung der Gewässer den besten Hochwasserschutz bringt. Jedoch werden unsere Gewässer heute darüberhinaus durch Wasserkraftwerke bedroht. Der massive Rückgang der Auengebiete ist wesentlich verantwortlich für den starken Rückgang der Schweizer Flora und Fauna in den letzten 150 Jahren.

Thur bei Lütisburg
Auengebiete
Nur unverbaute Flüsse zaubern eine solch einmalige Idylle in die Landschaft.

Was sind Auengebiete?

Auengebiete befinden sich an unverbauten Ufern von Flüssen. Sie werden bei Hochwasser regelmässig überflutet, dabei bleiben die ökologisch sehr wichtigen Sümpfe und Tümpel zurück. Rund die Hälfte aller Pflanzenarten in der Schweiz lebt in Auengebieten, gerade die sehr stark bedrohten Amphibien sind zwingend auf sie angewiesen. Auch der Mensch findet an natürlichen Flussufern viel mehr Entspannung. Den Unterschied bemerken Sie tatsächlich erst, wenn Sie natürliche und künstliche Flussufer mit eigenen Augen gesehen haben.

Aus der Geschichte gelernt?

Fast an allen grösseren, teilweise auch kleineren Flüssen und teilweise auch Bächen wurden Flusskorrektionen in dramatischem Ausmasse vorgenommen. Dabei wurden die Flussläufe begradigt und kanalisiert. Das Wasser konnte sich seine Wege nicht mehr selber suchen, es entstanden an den Ufern keine Sümpfe und Tümpel mehr, da Dämme die Auengebiete vom Fliessgewässer trennten. Landwirtschaftszonen oder Siedlungsflächen wurden auf ehemalige Auengebiete ausgeweitet und zwingend auf Feuchtgebiete angewiesene Pflanzen und Tiere verdrängt.
Heutzutage hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Auengebiete einen Hochwasserschutz darstellen, den besseren gar als künstliche Dämme.

Auswirkungen auf Flora und Fauna

Die Auswirkungen auf die Flora und Fauna durch Auen sind enorm. Die meisten der bedrohten Pflanzenarten in der Schweiz sind Bewohner von Feuchtgebieten und sind auf natürliche Flussufer zwingend angewiesen. Einige Pflanzen benötigen auch natürliche Seeufer, die in der Schweiz aber nur noch am Murtensee und am Neuenburgersee existieren. Auch viele Tierarten sind vom massiven Rückgang der Auen stark betroffen, unter ihnen der Biber und viele Vogelarten.

Revitalisierungen von Gewässern

Die Durchführung von Revitalisierungen von Gewässern ist in der Schweiz gesetzlich verankert, der Bund fördert entsprechende Massnahmen mit einem jährlichen Budget von rund 60 Millionen Schweizer Franken. In der Praxis gehen Revitalisierungen aber nur sehr mühsam voran, doch gerade sie wären es, welche die Schweiz für eine intakte Natur so dringend nötig hätte. Dazu gehört auch der Abbau der rund 88'000 künstlichen Hindernisse, welche derzeit in Schweizer Flüssen stehen und Fische und Kleinstlebewesen stark behindern - Negativbeispiel für solche Hindernisse ist die Töss im Kanton Zürich, die auf gerde mal 60 Kilometer Flusslänge 568 künstliche Hindernisse überwinden muss. Die Natur reagiert zwar meistens nicht sofort auf entsprechende Massnahmen, aber mit Revitalisierungen schafft man Lebensraum für extrem viele Pflanzen- und Tierarten und liefert somit einen grossen Anteil für eine intakte Schweizer Natur.

Neues Problem Wasserkraft

Auch im 21. Jahrhundert stehen Schweizer Gewässer bereits wieder massiv unter Druck - Wasserkraftwerke bedrohen sie zusätzlich zu den vielen noch bestehenden Dämmen. Die Nutzung der Wasserkraft schädigt unsere Natur sehr direkt und die schädlichen Auswirkungen sind einwandfrei bewiesen, was man von anderen Kraftwerken, die mit ihrem CO2-Ausstoss kaum sichtbare Spuren hinterlassen, nicht behaupten kann. Es fällt daher schwer, bei Wasserkraftwerken von einer grünen Stromproduktion zu sprechen. Leider bezieht die Schweiz rund 60% ihres derzeitigen Strombedarfs aus der Wasserkraft und eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Wir setzen uns jedoch für andere erneuerbare Energien ein. Solange diese nicht genügend Strom produzieren, sollte man auf altbewährte Kraftwerke ohne direkten schädlichen Einfluss auf die Schweizer Natur setzen. Wie eine WWF-Studie vom November 2010 belegt, sind Kraftwerke in den wichtigen Schutzgebieten und naturnahen Fliessgewässern zum Erreichen der schweizerischen Energieziele nicht nötig. Gerade solche eigentlich unnötige Kleinkraftwerke an noch unverbauten Stellen sind derzeit in Planung - dank staatlicher Subventionierung! Wenn wir die letzten natürlichen Bäche im Mittelland auch noch mit Wasserkraft nutzen, könnte das für viele der bereits angeschlagenen Pflanzenpopulationen das Ende bedeuten.

Seit Anfang 2011 ist ein neues Gewässerschutzgesetz in Kraft. Dieses gibt vor, dass die schädlichen Auswirkungen der wasserkraft wie Schwall und Sunk so eingeschränkt werden sollen, dass es Organismen in und am Wasser nicht beeinträchtigt. Die Umsetzung von diesem geänderten Gewässerschutzgesetz muss aber erst noch konsequenz erfolgen.